„Ich höre – also bin ICH.“

Zuhören wendet sich eindeutig dem anderen zu und bereichert und verändert gleichzeitig den Hörenden und denjenigen, dem man zuhört. Voraussetzung dafür ist „natürlich“: der andere „sieht“, dass ich ihm zuhöre. Die andere „spürt“, dass ich ihr zuhöre. Und er „hört“ es auch, dass ich ihm zuhöre. Wenn Du das hinbekommst, dann bist Du beim wirklichen und wirksamen Zuhören angekommen. Hören verändert Dich und den Anderen.


Beim Zuhören wird Zeit zum Gut!


„Um sprechen zu lernen, brauchen wir zwei bis drei Jahre.

Um zuhören zu können, Jahrzehnte.“

 

Zuhören lohnt sich und Zuhören will geübt werden. Und Üben ist nicht immer ganz leicht. Das verlangt geduldiges üben, immer wieder. Fang damit an. Heute. Es lohnt sich. „Geduld ist alles!“, schreibt Rainer Maria Rilke, und fährt fort: „Man muss den Dingen die eigene, stille ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Alles ist Austragen – und dann Gebären. (…) Reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht, ohne die Angst, dass dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch! Aber er kommt zu den Geduldigen, die das sind, als ob die Ewigkeit vor ihnen läge, so sorglos still und weit (…) Geduld ist alles!“ (Rainer Maria Rilke, 2007, 25f.)

Wie schwer fällt es oft, diesen Raum anderen Menschen im Gespräch zu geben bzw. zu schenken. Ganz Ohr zu sein für den anderen. Das ist auch in der Beratung oft eine mühsame Disziplin. Aber wichtig – für mich und für den anderen. Wie oft hätte ich mir selber diesen Raum, diese Geduld und diese vertrauensvolle Zuwendung an die Zukunft erhofft und von nahen Menschen erwartet. Es kam nicht. Es ereignete sich nicht. Es blieb beim Hoffen und oft auch bei der Ent-Täuschung. Heute weiß ich: manchmal war genau das wichtig, dass in dieser Zeit der Nichterfüllung die Saat aufging, die eigene Saat austrieb und etwas aus dem Nichts emporwuchs, was man nicht gedacht hätte, dass es doch in einem drinsteckt. Das eigene Aushalten dieses Geduld-Raumes und das Schenken dieses gedeihlichen Zwischenraumes im Gespräch ist bedeutsam für jegliche Weiterentwicklung.

 

„Die eigene Sattheit an Annahme

öffnet uns die Tür zum anderen.“

 

Momo, Michael Ende
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Die wohl bedeutendste Geschichte, wenn es um das Thema „Hören“ geht, ist von Michael Ende. Das Buch heißt „Momo“. „Was die kleine Momo konnte wie kein anderer, das war: Zuhören. Das ist doch nichts Besonderes, wird nun vielleicht mancher sagen, – zuhören kann doch jeder. Aber das ist ein Irrtum. Wirklich zuhören können nur ganz wenige Menschen. Und so wie Momo sich aufs Zuhören verstand, war es ganz und gar einmalig. Momo konnte so zuhören, dass dummen Leuten plötzlich sehr gescheite Gedanken kamen. Nicht etwa, weil sie etwas sagte oder fragte. Nein, sie saß nur da und hörte einfach zu, mit aller Aufmerksamkeit und Anteilnahme. Dabei schaute sie den anderen mit ihren großen, dunklen Augen an, und der Betreffende fühlte, wie in ihm auf einmal Gedanken auftauchten, von denen er nie geahnt hatte, dass sie in ihm steckten.
Sie konnte so zuhören, dass ratlose oder unentschlossene Leute auf einmal ganz genau wussten, was sie wollten. Oder dass Schüchterne sich plötzlich frei und mutig fühlten. Oder dass Unglückliche und Bedrückte zuversichtlich und froh wurden. So konnte Momo zuhören.
Momo hörte allen zu, den Hunden und Katzen, den Grillen und Kröten, ja, sogar dem Regen und dem Wind in den Bäumen. Und alles sprach zu ihr auf seine Weise.
An manchen Abenden, wenn alle ihre Freunde nach Hause gegangen waren, saß sie noch lange allein in dem großen steinernen Rund des alten Theaters, über dem sich der sternenfunkelnde Himmel wölbte, und lauschte einfach auf die große Stille.
Und wer nun immer noch meint, Zuhören sei nichts Besonderes, der mag nur einmal versuchen, ob er es auch so gut kann.
(Michael Ende, Momo, 1973,15) Evtl. Link von diesem Buch hinterlegen.

Wenn Du richtig zuhörst, dann hörst Du nicht nur, was der andere sagt, sondern auch, was er nicht sagt. Du hörst, was die andere meint, hörst Dinge heraus, die er so noch gar nicht gesagt hat. Zuhören signalisiert: Du bist mir wichtig. In diesem Moment bin ich mit meinem ganzen Ohr und meiner vollen Aufmerksamkeit bei Dir. So wirkt Zuhören! So hinterlässt Zuhören Spuren beim Anderen. Zuhören – Hinhören auf den anderen. Dem anderen das wertvollste schenken, was wir Menschen anderen Menschen schenken können: Zeit. Darin drücken wir ein höchstes Maß an Wertschätzung aus. „Zeit“ ist ein knappes Gut in unserem Leben und genauso auch in unseren Unternehmen. Und deshalb so wertvoll und so wirksam, wenn wir es einsetzen und praktizieren (wollen). Hier wird Zeit zum Gut. Und diese Zeit lässt „gutwerden“. Das ist die höchste Form von Wertschätzung einem anderen Menschen gegenüber: Zeit schenken.

 

Anregungen für ein besseres Ohr für den anderen.

  • Wo hast Du wirklich gut zugehört und warst beim anderen? Welche Wirkung hatte es?
  • Wie ist Deine Körperhaltung, Mimik und Gestik? Wenn Du wirklich zuhörst? Achte das nächste mal auf Dich, beim Zuhören.
  • Stell Dir mal die Frage: Woran merkt der andere, dass Du ihm „wirklich“ zuhörst?
  • Wann „hört“ der andere, dass Du ihm „wirklich“ zuhörst?
  • Gehe auch der Erfahrung nach: Wo hast Du einen anderen nur reden lassen? Welche Wirkung hatte es?
  • Sei ehrlich zu Dir selber: An was denkst Du, während der andere noch spricht? Hörst Du zu oder bereitest Du Deine Antwort schon vor?
  • Tipps um ein guter Gesprächspartner zu werden..>>

 

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